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barbara. der wirkliche osten. und tatsächlich unglaubliche barbarei.
ich habe hier etwas wichtiges zu erzählen. es ist in den letzten text auf dieser seite verpackt. und was dahinter steckt, ist so bedrückend wie sonst nichts auf diesen seiten. barbara tiefenbacher, der ich alle diese eindrücke verdanke, hat das „apartheit mitten in europa“ genannt. dem hab ich nichts hinzuzufügen. außer einer kleinen geschichte. gelernte östereicherInnen wissen, dass für europäerInnen osten alles mögliche sein kann. wir sind uns zwar einig, dass das waldviertel nicht zum balkan gehört. ostblock ist es dennoch. nachdem ich mir heute vormittag vom sehr kompetenten herrn entepreneur des jahres — friedrich huemer — im radio etwas über die leute aus den „ostblockländern“ sagen lassen durfte, vergebe ich dieses prädikat aufrichtig gerne. |
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all texts, all pictures, all content © 2007 stefan benedik karner, |














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die nationalsozialistInnen haben nicht nur 1938 die gesamte bevölkerung des mittleren waldviertels vertrieben und damit ein loch gerissen, in dem die größen des österreichischen bundesheeres mit großer freude auch in der gegenwart noch den feind oder anderes imaginär(es) wild(es) zu jagen. sie haben 1941 auch gleich ein schönes buch herausgegeben, das den passenden titel „die alte heimat“ trägt und neben der geschichte des „döllersheimer ländchens“ dazu noch erzählt, wie die fleißigen einheimischen unter den „jüdischen viehhändlern“ gelitten haben und das passenderweise auch die herkunftsregion des reichskanzlers adolf hitler“ verherrlicht. die bh zwettl hatte die bemerkenswerte idee, dieses buch nachzudrucken. die geschichten der nazi-propaganda vebreitete die behörde kommentarlos. 1981. |
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die slowaken sind ein friedliebendes volk, das sich von schafskäse ernährt, amerikanische brüder hat und jene stunden, die es nicht mit der zeitintensiven schafzucht verbringt, auf friedhöfen und in kirchen zubringt (besonders vor allerseelen). es beschriftet seine grabsteine inzwischen nicht mehr in jener sprache, die unter tatkräftiger mitwirkung jenes herrn, der vom 1000-er-geldschein eben nicht lacht, der bequeme todfeind werden konnte. slowakinnen existieren im übrigen auch. |
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frau r. wird an regeln erinnert.
für r. ist frau eigentlich nicht die richtige bezeichnung. sie ist ein mädchen. ihre ethnische zugehörigkeit steht ihr ins gesicht geschrieben. sagt man. dabei haftet sie an ihrer kleidung, an ihrem geruch, an ihrer stimme. an der art, wie sie auftritt, wie sie auftreten kann, darf und muss. ich nenne sie dennoch frau r. schön genug ist sie. die leute in spišský hrhov werden nicht misstrauisch, wenn sie erfahren, dass jemand in der romasiedlung arbeitet. sie werden feindselig. zigeunerfreunde. dabei haben die gar keinen kontakt mit frau r. dazu sind viel zu viele da. vor allem kinder. frau r. geht in die schule. in irgendeine schule. in der nächsten kleinstadt. oder im nächsten dorf. in hrhov. dorthin fährt sie mit dem bus. die zigeunerfreunde sind willkommene feinde. vielleicht, weil ihnen nichts ins gesicht geschrieben ist. ihnen sieht man es nicht an. aber willkommen sind sie nicht. dass sie zigeunerfreunde sind. dazu muss man erst mit ihnen reden. wahrscheinlich geht frau r. in die sonderschule. nicht, weil sie wirklich weniger schnell lernen würde als die anderen kinder. aber in die sonderschule geht, wer anders ist. deshalb muss auch frau r. in die sonderschule gehen. dann wird die lehrerin sie los. sie mag die zigeuner nicht. wenn die roma durch den wald gehen, holen sie sich obst, beeren, pilze von überallher. und deshalb auch frau r. nicht. die siedlung liegt ein wenig abseits der hauptstraße. abseits vom dorf. abseits von den slowakInnen. an etwas, was vielleicht einmal ein bach gewesen sein könnte. heute ein rinnsal in einer betonrinne. viele hunde. frau r. ist nicht gerade die, die in der siedlung auffällt. wilde hagebutten, schleen, viel mehr, als ich kenne. ich habe vergessen zu fragen, warum man zur siedlung siedlung sagt. ein dorf war es, solange noch slowakInnen dort gelebt haben. jetzt nur noch zigeuner. und roškovce nur mehr eine siedlung. neben dem wald. eigentlich schon im wald. dorthin muss niemand mehr, der nicht dort wohnt. und ganz selten lehrerinnen. die dann kommen, um zu erklären, dass das kind dringend in die sonderschule gehen muss. weil dort gehört es hin. dort passt es dann auch. ob die eltern wollen oder nicht. und das kind passt, ganz bestimmt. dafür hat die lehrerin ein geschenk mit. ein schönes versprechen. ein schönes mittagessen. jeden schönen tag. der schulbus aus der kleinstadt oder dem dorf fährt nicht richtig in die siedlung. aber er bringt die kinder. auch frau r. fährt im bus. mit. wenn frau r. in der sonderschule ist, dann ist sie nicht die einzige romni. ein hungriges kind weniger. die lehrerin erspart sich die zigeuner. und die eltern das mittagessen. es nützt dem allgemeinwohl, dass frau r. dumm bleibt. wenn frau r. dumm bleibt. im bus stehen die roma und romnia. sitzen dürfen die weißen kinder. die slowakInnen. die romakinder sind niemals slowakische kinder. die ausländer müssen stehen. slowakische sitze. slowakische busse. slowakische busfahrer. slowakisches land. slowakische landstrasse. slowakische schule. slowakische lehrerin. ein blutendes romakind. nachher macht die geschichte in der siedlung sehr schnell die runde. in romanes gibt es ein wort für blut. für jedes blut. zuletzt weiß niemand mehr, ob ihre lippe aufgeplatzt ist. ob sie aus der nase blutet. slowakischer busfahrer. für eine schlagzeile reicht so etwas nicht. die faulen zigeuner brechen selbst regeln aus faulheit. aus müdigkeit. die alte bussitzregel. frau r. ist müde genug, um eine regel zu missachten. obwohl der busfahrer hinterschaut. obwohl der busfahrer hinterschreit. vielleicht antwortet sie auch. ich erzähle jetzt, dass frau r. einfach zurückruft. auf slowakisch. und ihm sagt, dass sie nicht versteht, warum eine romni sich nicht setzen darf. warum roma und romnia kein recht auf einen sitzplatz haben. dass sie ihm paroli bietet. vielleicht aber bleibt frau r. einfach nur sitzen. vielleicht ist sie auch einfach müde genug, um die augen zu schließen. in der siedlung ist die aufregung groß. blut. busfahrer. schläge. frau r. ist nur sitzen geblieben. später wird sie jemand ins krankenhaus bringen. und sogar auf die polizei. so etwas ist noch nicht vorgekommen. das mit der polizei. die schläge sind routine. auch wenn es nichts daran ändern wird. wohin kämen wir, wenn jetzt auch noch die zigeuner von der polizei ernst genommen werden müssten. gottseidank sitzen dort eh nur slowaken. der busfahrer steht auf und schlägt frau r. er schlägt ihr mitten ins gesicht. das blut einer romni und das blut eines slowaken haben übrigens genau die selbe farbe. frau r. sagt nichts mehr dazu. vielleicht ist die müdigkeit noch. im bus wird sie stehen müssen. das ist aber noch niemandem aufgefallen. und interessiert auch niemanden. frau r. steht inzwischen. ihr leben lang. bis sie weiß wird.
für n.
danke, barbara | listopad-november 2007 |